„Eine sakrale Nacht“ – Joachim Witt in der Christuskirche Bochum

Gestern Abend wurde die Christuskirche Bochum zum Schauplatz eines außergewöhnlichen Konzerts von Joachim Witt, das sich eher wie ein sakrales Erlebnis denn wie ein gewöhnlicher Musikabend anfühlte. Schon beim Betreten der Kirche empfing die Besucher eine Atmosphäre, die zum Innehalten einlud: Farbige Projektionen malten sich über die hohen Wände, und die Schatten bewegten sich wie ein stilles Bühnenensemble. Diese besondere Inszenierung verlieh dem Raum etwas Mystisches und bildete den perfekten Rahmen für Witts „Lux Aeterna“-Tour.

Joachim Witt betrat die Bühne mit einer beeindruckenden Ruhe, die sofort auf das Publikum übersprang. Seine Stimme, mal kraftvoll, mal sanft gebrochen, füllte die Kirche mit einer Intensität, die unter die Haut ging. Begleitet wurde er von einem kleinen Ensemble aus Cello, Piano, Bass, Gitarre und Percussion. Die bewusst zurückhaltenden Arrangements ließen den einzelnen Tönen viel Raum zum Atmen und gaben bekannten Songs völlig neue Nuancen. Klassiker wie „Goldener Reiter“ oder „Die Flut“ klangen in dieser akustischen, entschleunigten Form beinahe meditativ und offenbarten eine ungeahnte emotionale Tiefe.

Eine besondere Bereicherung des Abends war der Support-Act Sotiria, die Sängerin, die früher als Frontfrau der Band Eisblume bekannt war.
Ihre klare, gefühlvolle Stimme passte perfekt zur sakralen Stimmung. Ihre Stücke, oft geprägt von Sehnsucht Verletzlichkeit, wirkten in der ruhigen Kirchenakustik noch intensiver. Einer der Höhepunkte war ihr Duett mit Witt: Zwei sehr unterschiedliche Stimmen, die sich dennoch harmonisch ergänzten und gemeinsam einen Moment von großer Emotionalität schufen. Das Zusammenspiel der beiden machte spürbar, wie viel künstlerische Verbindung zwischen ihnen besteht.

Auch das Lichtkonzept trug viel zur Wirkung des Konzerts bei. Statt lauter Effekte setzte alles auf Zurückhaltung: pulsierende Lichtwechsel, wandernde Schatten, ein sanftes Spiel von Helligkeit und Dunkelheit. Das Licht wurde damit zu einem leisen Mitspieler, der Emotionen verstärkte, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Als Zuschauer hatte man das Gefühl, an etwas sehr Persönlichem teilzunehmen. Witt gelang es, einen Raum der Stille zu eröffnen, nicht im Sinne von Leere, sondern im Sinne eines gemeinsamen Atemholens. Zwischen den Liedern herrschte eine fast ehrfürchtige Ruhe, wie man sie in Konzertsälen selten erlebt. Die Kombination aus Klang, Raum, Licht und Präsenz ließ den Abend zu einer Art musikalischem Ritual werden.

Insgesamt war das Konzert in der Christuskirche ein tief berührendes Erlebnis, das weit über einen gewöhnlichen Liveauftritt hinausging. Joachim Witt schuf eine Atmosphäre, die gleichzeitig intim und monumental wirkte, während Sotiria dieses Gefühl auf ganz eigene Weise ergänzte. Wer dabei war, nahm nicht nur starke Songs mit nach Hause, sondern auch einen Moment innerer Einkehr, und das Gefühl, Zeuge einer besonderen Nacht gewesen zu sein.

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