„Unsterblich bin ich erst, wenn ich tot bin“ – Falco Meets Amadeus begeistert in der Westfalenhalle

DORTMUND – 30.03.2026

Es ist ein gewagtes Experiment: Die Konfrontation zweier Genies, die zwar Jahrhunderte trennen, aber im Geiste vereinen – Wolfgang Amadeus Mozart und Hans Hölzel. Beide Exzentriker, beide ihrer Zeit weit voraus und beide am eigenen Leben verzehrt. 

Gestern Abend verwandelte sich die Dortmunder Westfalenhalle in ein Epizentrum österreichischer Musikgeschichte, als die Neufassung von „Falco Meets Amadeus“ unter der Federführung von COFO-Produzent Oliver Forster bewies, dass der „Falke“ auch im Jahr 2026 nichts von seiner magnetischen Strahlkraft verloren hat. Die Show entpuppte sich dabei als weit mehr als eine bloße Aneinanderreihung von Welthits; sie war eine tiefenpsychologische Reise durch die zerrissene Seele eines Weltstars.

Dass dieser Spagat zwischen den Epochen so authentisch gelingt, ist kein Zufall. Die Produktion setzt konsequent auf die Expertise echter Insider und Weggefährten: Mit Falcos ehemaligem Manager Horst Bork als historischem Berater und dem langjährigen Bandleader Thomas Rabitsch als Musical Director standen jene Männer Pate, die das Phänomen Falco aus nächster Nähe miterlebt haben. Diese tief verwurzelte Fachkenntnis spürte man gestern in jeder Note und jedem Dialog. Schon beim ersten Takt von „Ganz Wien“ wurde klar, dass hier ein druckvoller, moderner Sound auf die Bühne gebracht wird, der die Wände der Halle zum Beben bringt, während schrille Tanzeinlagen eine Atmosphäre irgendwo zwischen verrauchtem 80er-Jahre-Club und opulentem Barock-Ballsaal schufen.

Alexander Kerbst, der Falco nicht nur spielt, sondern sichtlich verinnerlicht hat, meisterte die schwierige Balance zwischen der arroganten Kunstfigur und dem verletzlichen Privatmann Hans Hölzel mit beeindruckender Präzision. Besonders bei der Inszenierung von „Jeanny“ hielt das Publikum den Atem an – ein emotionaler Höhepunkt, der die Abgründe des Ruhms fast greifbar machte. Die dramaturgischen Brücken, in denen die Parallelen zwischen Mozart und Falco – von Schulden über den Frauenverschleiß bis hin zum absoluten Geniekult – thematisiert wurden, gaben dem Spektakel die nötige Tiefe. 

„Falco Meets Amadeus“ ist kein klassisches Musical von der Stange, sondern eine energetische Hommage, die das Lebenswerk des erfolgreichsten österreichischen Popmusikers würdigt, ohne die Schattenseiten auszusparen. 

Es bleibt festzuhalten: Wer Falco liebt, kam gestern voll auf seine Kosten. Die Produktion schafft es meisterhaft, den Mythos durch die Einbindung seiner engsten Vertrauten lebendig zu halten und zu zeigen, dass wahre Kunst tatsächlich unsterblich ist. Dortmund hat gestern Abend den Falken noch einmal fliegen sehen.

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