Zwischen Ekstase und Melancholie: IAMX transformiert die Kantine in ein Dark-Electronic-Paradies

Köln, 01. April 2026 – Wenn Chris Corner ruft, folgt die schwarze Szene – und sie folgt zahlreich. Gestern Abend machte die „Artificial Innocence Tour“ Station in der Kölner Kantine. Wer einen klassischen Konzertabend erwartete, wurde enttäuscht; wer eine immersive, audiovisuelle Exorzismus-Sitzung suchte, fand sein Mekka.

Als der Support-Act Aux Animaux die Bühne betrat, wurde schnell klar, dass dies keine gewöhnliche Vorband-Situation war. Die schwedische Künstlerin Gözde Düzer zog das Publikum mit ihrem düsteren Mix aus Darkwave und Theremin-Klängen sofort in ihren Bann.

Anstatt den Platz für die Hauptshow zu räumen, kehrte Düzer als fester Bestandteil des IAMX-Ensembles zurück auf die Bühne. Diese nahtlose Integration verlieh der Performance eine völlig neue, dunkle Eleganz, auch wenn der größte emotionale Einschnitt für viele Langzeit-Fans die veränderte Bühnenbesetzung war:

Erstmals seit gefühlten Ewigkeiten fehlte Janine Gezang an den Tasten und am Bass.

Chris Corner füllte diese Lücke nicht einfach nur auf; er transformierte die Show in ein noch intensiveres, technoides Gesamtkunstwerk.

Die Setlist war dabei alles andere als eine Standard-Best-Of-Show. Statt sich auf die immergleichen Klassiker zu verlassen, forderte IAMX das Publikum mit einer Auswahl heraus, die die klangliche Härte von Artificial Innocence und die industrielle Kälte der Fault Lines-Ära zelebrierte. Stücke wie „Sailor“ oder das treibende „I Come With Knives“ wurden in Versionen präsentiert, die in der Kantine eine fast physische Wucht entfalteten.

Doch so sehr die Show auch in Richtung Dark-Techno und moderner Härte tendierte, so sehr lebte sie von ihren emotionalen Ankern. Das wurde spätestens im Zugabenteil deutlich, der die Halle in einen kollektiven Rausch versetzte. Als die ersten Töne von „Bernadette“ erklangen, verwandelte sich die aggressive Energie des Abends augenblicklich in eine andächtige, fast sakrale Intimität. Es ist ein Song, der auch nach all den Jahren nichts von seiner fragilen Wucht verloren hat.

IAMX hinterließ ein Publikum, das sichtlich gezeichnet, aber glücklich war. Chris Corner hat gestern bewiesen, dass er IAMX auch ohne langjährige Weggefährten und mit neuem kreativen Team auf ein Level heben kann, das zwischen industrieller Kälte und tiefster menschlicher Emotion oszilliert. Ein Abend, der wehtat, der heilte und der noch lange nachhallen wird.

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